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Urkunde vom Kirchbau im Kreuz aufbewahrt
Im
Grunde war es zu vermuten gewesen, daß sich die Bauherrn im Turmkreuz
der Wolterdinger Kirche St. Kilian verewigt hatten. Doch als Pfarrer
Werner Arnold jetzt die Bleikapsel in der Hand hielt, war die Spannung
doch groß, was das knapp 30 Zentimeter lange Röhrchen enthält. Innendrin
lag ein etwa DIN-A-4 großes Pergament mit den wichtigsten Angaben
zur Baugeschichte der Kirche sowie der Ereignisse im Ort vor hundert
Jahren.
Eine Feuersbrunst hatte damals die Kirche und weitere Gebäude in
der Ortsmitte zerstört. "Die Kirche war nach dem Brande nur noch
eine Ruine", wie es in der Urkunde heißt. Nur noch wenige Mauerreste
hätten stehen bleiben können. Der Neubau der ehemals einschiffigen
Kirche wurde nurn dreischiffig realisiert, eine Seitenkapelle angebaut.
Mit
ganzen 20000 Reichsmark unterstützte die politische Gemeinde den
Neubau und auch die Bürger hätten viel gespendet, wird eigens in
der Urkunde erwähnt. Das Donaueschinger Bauunternehmen Anton Mall
führte die Arbeiten durch, die neuen Steine kamen aus dem Hallenberg.
Im gleichen Jahr sei die Ziegelei gebaut und die Glasfabrik geschlossen
worden. Aus der von Pfarrer Eduard Gissinger erhofften "baldigen
Wiedereröffnung" ist bis heute nichts geworden, die Gebäude beherbergen
teilweise die Fabrik Reiner Präzision.
Die Urkunde ist auf das Schutzengelfest am 19. Oktober 1902 datiert.
Verborgen war sie in der Kugel unterhalb des eigentlichen Kreuzes.
Die rund Kupferkugel mit einem Durchmesser von rund 40 Zentimeter
hatte dem schmiedeeisernen Kreuz mit der Zeit übrigens mächtig zugesetzt.
An dieser Stelle war der konisch geschmiedete stark eingefressen.
"Beim nächsten Sturm wäre das Kreuz hinuntergefallen", vermutet
Walter Rebmann, der den Auftrag hat, den rund vier Meter hohen Abschluß
des Turms zu renovieren. Der Schaft in Höhe der Kugel muß erneuert
werden. Ansonsten gilt es das gute Stück eines Bräunlinger Flaschnermeisters
vom Rost zu befreien, zu verzinken und wieder neu zusammenzusetzen.
Damals sei alles heiß genietet worden, erklärt Rebmann, eine Technik
die heute viel zu zeitaufwendig und damit zu teuer wäre. So werden
die Teile, deren Nieten sich gelöst haben nun verschraubt. Auch
die am unteren Stab des Kreuzes angeschweißten, inzwischen maroden
Ringe werden ersetzt und verschraubt.
Damals sind sie oben auf der Spitze mit den Streben, die die Dachspitze
umfaßten, verschweißt worden. Anders kann sich der Metallbauer es
nicht vorstellen. Denn nur wenn das Eisen heiß sei könne es so miteinander
verbunden werden. Wie die Vorfahren oben auf der Turmsüitze ein
Feuer entfacht haben, bleibt ein Rätsel. Gut, daß es heute Schrauben
gibt. Denn hatten einem kleinen Zusatzzettel zufolge damals ein
halbes Dutzend Personen bei der waghalsigen Kletterpartie mit Steigeisen
geholfen, das Kreuz oben zu befestigen, hatte heute Walter Rebmann
trotz Gerüst Schwierigkeiten, jemaden für die Montage in solch luftiger
Höhe zu finden.
Die nächste Kletterpartie muß noch etwas warten. Erst wird das rund
400 Kilogramm schwere Kreuz renoviert, verzinkt und teilweise mit
Plattgold versehen. Die Urkunde indes wandert nach Beschluß des
Pfarrgemeinderats ins Pfarrarchiv. Lediglich eine Kopie findet ihren
Platz wieder oben in der Kupferkugel.
Hier finden Sie die Urkunde.
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